Anthropic hat am 22. September 2026 Claude Opus 5.5 veröffentlicht, das erste Modell der neuen Claude-5.5-Familie. Laut der Ankündigung von Anthropic arbeitet es bei den meisten Aufgaben auf dem Niveau von Claude Fable 5.1, dem Spitzenmodell von Anfang September. Im Betrieb soll es rund 40 Prozent weniger kosten als der Vorgänger Opus 5.
Für dich bedeutet das mehr Leistung ohne Aufpreis, sofern du ein bezahltes Abo hast. Über die API (die Programmierschnittstelle für Entwickler) kostet Opus 5.5 bei Ein- und Ausgabe genau 40 Prozent der Fable-Preise. In der kostenlosen Version von Claude fehlt das neue Modell.
Was kann Claude Opus 5.5?
Anthropic richtet Opus 5.5 auf lange Programmieraufgaben und Wissensarbeit aus, etwa Code-Migrationen und Code-Prüfungen. In den eigenen Benchmarks (standardisierten Leistungstests) liegt es vor Fable 5.1 und Opus 5:
- Terminal-Bench 4.0 (mehrstufige Aufgaben in der Kommandozeile): 66,4 Prozent, Fable 5.1 kommt auf 55,8 und Opus 5 auf 52,3 Prozent.
- GDPval-AA v2.1 (Fachaufgaben aus 44 Berufen): 1846 Elo-Punkte (Wertung aus direkten Vergleichen) gegenüber 1735 für Fable 5.1 und 1708 für Opus 5.
Anthropic schränkt selbst ein, dass der Abstand zu Fable 5.1 im Alltag kleiner ausfällt, als die Werte vermuten lassen. Deutlicher ist der Vorsprung bei der Effizienz. Opus 5.5 erzeugt Text laut Anthropic mehr als 30 Prozent schneller als Opus 5 und braucht pro Aufgabe weniger Tokens. In einem internen Test übertrug es die Software HAProxy von C nach Rust in 9,5 Stunden, Fable 5.1 brauchte zwölf.
Das Nachdenken vor der Antwort lässt sich nicht mehr abschalten. Das Modell entscheidet selbst, wie viele Zwischenschritte es durchrechnet, ähnlich wie andere Reasoning-Modelle. Entwickler steuern die Denktiefe über den Parameter „effort“, voreingestellt ist die mittlere Stufe.
Was kostet Claude Opus 5.5 über die API?
Anthropic nennt die Preise in US-Dollar, maßgeblich ist der Betrag im Bezahlvorgang. Abgerechnet wird pro Million Tokens, das sind die Textbausteine, in die ein Sprachmodell Texte zerlegt (Stand 22. September 2026):
| Posten | Opus 5.5 | Opus 5 | Fable 5.1 |
|---|---|---|---|
| Eingabe | 4 Dollar | 5 Dollar | 10 Dollar |
| Ausgabe | 20 Dollar | 25 Dollar | 50 Dollar |
| Cache-Lesezugriffe | 0,20 Dollar | 0,50 Dollar | 0,25 Dollar |
Ein- und Ausgabe sind damit 20 Prozent günstiger als bei Opus 5. Cache-Lesezugriffe, also das erneute Lesen bereits verarbeiteter Eingaben, kosten 60 Prozent weniger und machen laut Anthropic den Großteil der Kosten bei Programmierarbeit aus. Die 40 Prozent Ersparnis gegenüber Opus 5 errechnet Anthropic für typische Arbeitslasten, weil zum niedrigeren Preis ein geringerer Tokenverbrauch kommt. Ein schneller Modus mit bis zu 2,5-facher Geschwindigkeit kostet 8 Dollar für die Eingabe und 40 Dollar für die Ausgabe je Million Tokens.
Wer bekommt Opus 5.5 in der Claude-App?
In der Claude-App steht Opus 5.5 in den Abos Pro, Max, Team und Enterprise bereit, im Free-Tarif nicht. Zum Start hebt Anthropic die Fünf-Stunden-Limits für Pro, Max, Team und Enterprise mit Abrechnung pro Nutzerplatz an. Abonnenten erhalten außerdem ein Zurücksetzen ihres Nutzungslimits, das sie zu einem selbst gewählten Zeitpunkt einlösen können. Was die Abos kosten, zeigt unsere Übersicht zu den Claude-Kosten.
Im Pro-Abo gibt es Fable 5.1 nur über zusätzlich bezahlte Nutzungsguthaben, Opus 5.5 ist ohne Aufpreis enthalten. Entwickler erreichen das Modell unter der Kennung claude-opus-5-5 über die Claude-Plattform, Amazon Web Services, Google Cloud und Microsoft Azure. Das Kontextfenster, also die Textmenge, die das Modell auf einmal verarbeitet, umfasst eine Million Tokens.
Wie ordnet sich Opus 5.5 neben Fable 5.1 und Mythos 5.1 ein?
Fable 5.1 und Mythos 5.1 hat Anthropic am 1. September 2026 vorgestellt. Beide sind dasselbe Modell mit unterschiedlich strengen Schutzmechanismen, Mythos 5.1 erhalten nur geprüfte Organisationen aus Cybersicherheit und Lebenswissenschaften.
In Biologie und Cybersicherheit sieht Anthropic Opus 5.5 auf Augenhöhe mit Mythos 5.1. Deshalb startet es als erstes Opus-Modell mit ähnlichen Schutzmechanismen wie Fable 5.1. Fehler im eigenen Code finden und beheben darfst du weiterhin, die meisten anderen Cybersicherheitsaufgaben übernimmt automatisch das ältere Opus 4.8.
Wie Fable 5.1 trägt auch Opus 5.5 ein unsichtbares Textwasserzeichen, mit dem Anthropic Vorgaben des EU AI Act erfüllt. Es steckt in der Wortwahl und enthält keine Angaben zu dir oder deinem Konto. Prüfen können es bisher nur ausgewählte Stellen wie Aufsichtsbehörden, Medien, Faktenprüfer und Forschende über eine Vorabversion der Prüfschnittstelle. Leichtes Überarbeiten entfernt das Wasserzeichen laut Anthropic wahrscheinlich nicht vollständig.
Für wen lohnt sich Claude Opus 5.5?
Wer Claude Pro oder Max nutzt und bisher zu Opus 5 gegriffen hat, bekommt mit Opus 5.5 mehr Leistung zum gleichen Abopreis. Für lange Programmier- und Rechercheaufgaben liegt der Wechsel nahe. Ob Fable 5.1 bei deinen Aufgaben noch vorn liegt, zeigt ein direkter Vergleich mit denselben Eingaben.
Entwickler sollten vor dem Wechsel ihre Anwendungen prüfen. Anthropic nennt vier inkompatible Änderungen gegenüber Opus 5, darunter das nicht abschaltbare Denken. Free-Nutzer bleiben bei Sonnet und Haiku, deren Version 5.5 in den kommenden Wochen folgen soll. Wer ohne Abo mehr Leistung sucht, findet in unserem Überblick der Claude-Alternativen sieben KI-Assistenten mit Preisen.