Anthropic hat am 16. September 2026 den Chat von Claude und Cowork zu einer gemeinsamen Oberfläche zusammengelegt. Cowork war bisher ein eigener Bereich, in dem Claude längere Aufgaben selbstständig in mehreren Schritten erledigt. Zeitgleich starten Claude Docs und Claude Slides als Beta, mit denen Dokumente und Präsentationen direkt im Gespräch entstehen und sich teilen lassen.
Für dich bedeutet das weniger Umwege. Du musst vor einer Aufgabe nicht mehr überlegen, wohin sie gehört, und Bericht wie Foliensatz entstehen dort, wo du ohnehin recherchierst. Für Präsentations- und Schreibwerkzeuge wie Gamma oder Notion AI wächst damit die Konkurrenz aus einem Programm, das viele täglich geöffnet haben.
Was ändert sich durch die Zusammenlegung von Chat und Cowork?
Bisher gab es für schnelle Fragen den Chat und für größere Aufgaben Cowork. Laut Anthropic haben Nutzer beides verwendet und empfanden genau diese Wahl als lästig, zumal Arbeit aus dem einen Bereich nicht in den anderen mitwanderte. Jetzt entscheidet Claude selbst, was eine Aufgabe braucht. Eine kurze Frage bekommt eine kurze Antwort, ein Wochenbericht wird recherchiert und geschrieben, auch wenn du den Laptop schon zugeklappt hast.
Deine Chats, Projekte, Connectors (Verbindungen zu Diensten wie Google Drive oder Slack) und Skills (gespeicherte Arbeitsanleitungen für wiederkehrende Aufgaben) bleiben erhalten. Standardmäßig fragt Claude nach, bevor es eine Aktion ausführt. Wer mehr Selbstständigkeit möchte, kann das umstellen. Wiederkehrende Aufgaben lassen sich planen, etwa ein Bericht, den Claude jeden Montag ohne neue Anfrage beginnt.
Was können Claude Docs und Claude Slides?
Beide Werkzeuge öffnen ihr Ergebnis neben dem Gespräch und legen es unter einem eigenen Link ab, den du auch auf dem Smartphone aufrufen kannst. Du tippst selbst oder bittest Claude um Änderungen. Die wichtigsten Funktionen (Stand 17. September 2026):
- Claude Docs schreibt Dokumente gemeinsam mit dir und deinem Team. Claude stellt vor dem Entwurf Rückfragen und erklärt seine Entscheidungen in Kommentaren. Erwähnst du @Claude in einem Kommentar, setzt es die gewünschte Änderung um. Export nach Word, PDF und Google Docs.
- Claude Slides baut Foliensätze aus Notizen, Berichten oder dem bisherigen Gesprächsverlauf. Du bearbeitest Folien direkt, präsentierst aus Claude heraus oder lädst das Ergebnis als PowerPoint oder PDF herunter.
Dazu kommt Claude Design, Anthropics Werkzeug für Grafiken und Entwürfe, das jetzt ebenfalls im Gespräch arbeitet. Entstehen Bericht und Folien im selben Gespräch, greifen sie laut Anthropic auf dieselben Inhalte zurück. Dokumente sind zunächst privat. Laut Hilfe-Center fehlen in der Beta noch ein Versionsverlauf und eine reine Kommentar-Berechtigung, außerdem lassen sich Dokumente in Team- und Enterprise-Tarifen nur innerhalb der eigenen Organisation teilen.
Wer bekommt Claude Docs und Slides in Deutschland?
Die neue Oberfläche wird seit dem 16. September schrittweise für die Tarife Pro und Max ausgerollt, im Web, am Desktop und in den Mobil-Apps. Einschalten musst du nichts. Team- und Free-Konten sollen bald folgen, Enterprise-Admins erhalten mindestens 30 Tage Vorlauf.
Docs, Slides und Design laufen als Beta (Testphase vor dem regulären Start) in den bezahlten Tarifen, bei Enterprise entscheiden Admins über die Freischaltung. Im kostenlosen Tarif sind sie zum Start nicht enthalten. Was die einzelnen Abos kosten, steht in unserer Übersicht zu den Claude-Kosten. Regionale Einschränkungen nennt Anthropic nicht, die Hilfeartikel gibt es auch auf Deutsch. Weil der Rollout gestaffelt läuft, kann es trotzdem einige Wochen dauern, bis die Neuerungen in deinem Konto erscheinen.
Was bedeutet das für Gamma, MagicSlides und Notion AI?
Für spezialisierte Präsentationstools wird es enger, zumindest bei Leuten, die ohnehin ein Claude-Abo haben. In unserem Test erstellte Gamma aus einem kurzen Prompt in Minuten ein ansehnliches Deck, beim PowerPoint-Export verrutschten allerdings Textboxen und Abstände (Stand August 2026). Gamma exportiert zusätzlich nach Google Slides, Claude Slides nennt zum Start nur PowerPoint und PDF. MagicSlides gibt es unter anderem als Add-on für Google Slides, es punktet mit Tempo und günstigem Einstieg. Ob Claude Slides sauberere PPTX-Dateien liefert, zeigt erst ein eigener Test.
Bei Dokumenten ist Notion AI der naheliegende Vergleich. Dort steckt der volle KI-Umfang nur im Business-Tarif (Stand Juni 2026), dafür ist die KI in einen kompletten Workspace eingebettet. Claude Docs setzt beim Gespräch an und nutzt deine Dateien, Projekte und verbundenen Apps als Ausgangsmaterial. Weitere Präsentationswerkzeuge mit ihren Exportformaten findest du in unserem Vergleich Präsentation mit KI erstellen.
Für wen lohnen sich Claude Docs und Slides jetzt?
Wenn du Claude Pro oder Max bereits bezahlst und regelmäßig Berichte oder interne Präsentationen baust, probier die neuen Werkzeuge aus, sobald sie in deinem Konto auftauchen. Der größte Vorteil liegt darin, dass Recherche und Ergebnis in einem Gespräch zusammenbleiben. Für Präsentationen mit hohem Designanspruch solltest du dein bisheriges Tool vorerst behalten. Das gilt auch für Teams, die Dokumente mit Kunden außerhalb der eigenen Organisation teilen müssen, denn das erlaubt die Beta in Team- und Enterprise-Tarifen nicht. Ein Abo nur wegen Docs und Slides abzuschließen, wäre vor einem unabhängigen Test verfrüht.