Die Vorbereitung frisst die Zeit, die im Stundenplan nicht auftaucht. Arbeitsblätter, Verlaufspläne, differenzierte Aufgaben, Erwartungshorizonte, dazu die Vertretungsstunde, von der du erst am Morgen erfährst. Genau hier setzen die meisten Lehrkräfte KI ein, und sie tun es deutlich häufiger als vor einem Jahr.
Das Deutsche Schulbarometer 2026 der Robert Bosch Stiftung hat zwischen dem 11. November und dem 2. Dezember 2025 insgesamt 1.547 Lehrkräfte und Schulleitungen befragt. 52 Prozent von ihnen nutzen KI-Tools mindestens mehrmals im Monat für ihre berufliche Tätigkeit, im Vorjahr waren es 32 Prozent. Der Anteil derer, die mehrmals pro Woche zu einem KI-Werkzeug greifen, hat sich von 9 auf 19 Prozent verdoppelt. Nur noch 10 Prozent geben an, in den vergangenen zwölf Monaten überhaupt keine KI genutzt zu haben, 2025 war es fast ein Drittel.
Dieser Leitfaden zeigt, wie Unterrichtsvorbereitung mit KI praktisch abläuft. Wir gehen eine Doppelstunde zum Wasserkreislauf in Klasse 7 vom Lernziel bis zum fertigen Arbeitsblatt durch, klären, welche Schritte du abgeben kannst und welche bei dir bleiben, und schauen auf die deutschen Rahmenbedingungen: Datenschutz, Handreichungen der Länder und die Landeslösungen, die dir dein Bundesland zur Verfügung stellt.
Was bedeutet Unterrichtsvorbereitung mit KI im Schulalltag?
Gemeint ist der Einsatz generativer Sprachmodelle für die Arbeitsschritte, die vor und nach der Stunde liegen. Das Modell erzeugt Textbausteine, Aufgabenvorschläge, Strukturen und Varianten, du triffst die didaktischen Entscheidungen und prüfst das Ergebnis. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz hat in ihrem Impulspapier „Large Language Models und ihre Potenziale im Bildungssystem“ vom Januar 2024 genau diesen Bereich als das Feld mit dem größten kurzfristigen Nutzen beschrieben, während sie beim Einsatz durch jüngere Lernende zur Zurückhaltung rät.
Der Unterschied zur klassischen Materialsuche liegt im Ausgangspunkt. Eine Materialdatenbank liefert dir fertige Blätter, die zu deiner Lerngruppe passen oder eben nicht. Ein Sprachmodell liefert einen Entwurf, der auf deine Klasse, deine Zeitvorgabe und dein Fach zugeschnitten ist, dafür aber ungeprüft ist. Beides ersetzt sich nicht gegenseitig, die Kombination funktioniert am besten.
Welche Rolle übernimmt das Modell dabei?
Im Alltag lassen sich drei Rollen unterscheiden, die unterschiedlich verlässlich funktionieren.
- Ideengeber: Es liefert dir fünf Einstiegsvarianten, zehn Aufgabenideen oder drei Sicherungsformate. Hier ist das Risiko gering, weil du ohnehin auswählst.
- Formulierer: Es bringt deine Stichpunkte in eine saubere Aufgabenstellung, kürzt einen Text auf Klasse 7 herunter oder schreibt einen Elternbrief. Hier sind die Ergebnisse meist direkt brauchbar.
- Fachlicher Lieferant: Es soll Inhalte, Zahlen und Zusammenhänge beisteuern. Hier musst du jede Aussage prüfen, weil das Modell Fehler flüssig und selbstbewusst formuliert.
Wie viele Lehrkräfte arbeiten 2026 schon mit KI?
Die Zahlen des Schulbarometers zeigen, dass die Nutzung im Lehrerzimmer angekommen ist, die Sicherheit im Umgang aber hinterherhinkt.
Wofür wird KI konkret eingesetzt?
Unter den Lehrkräften, die KI beruflich nutzen (1.389 Befragte), dominieren die Vorbereitungsschritte.
- Erstellung von Aufgaben für den Unterricht: 64 Prozent
- Unterstützung bei der Unterrichtsplanung: 58 Prozent
- Erstellung von Fragen für Leistungskontrollen: 36 Prozent
- Kommunikation, etwa das Verfassen von E-Mails: 33 Prozent
- Einsatz durch die Schülerinnen und Schüler im Unterricht: 29 Prozent
- Feedback an Lernende sowie Reflexion pädagogischer Fragen: jeweils 8 Prozent
- Analyse von Lernverlaufsdaten: 2 Prozent
Das Muster ist eindeutig. KI wird vor allem als Werkzeug für die eigene Schreibtischarbeit genutzt, kaum für die Bewertung von Schülerarbeiten oder die Auswertung von Lerndaten.
Wie sicher fühlen sich Lehrkräfte dabei?
48 Prozent der Befragten fühlen sich im Umgang mit KI-Tools eher oder sehr sicher, 2025 waren es 38 Prozent. Gleichzeitig geben 52 Prozent einen persönlichen Fortbildungsbedarf an. Zwischen den Schulformen liegen große Abstände, an Förderschulen fühlen sich 35 Prozent sicher, an beruflichen Schulen 58 Prozent. Wenn du also das Gefühl hast, hinterherzuhinken, bist du statistisch in guter Gesellschaft.
Welche Schritte der Vorbereitung lassen sich abgeben?
Eine Stunde vorzubereiten besteht aus rund einem Dutzend Einzelschritten, die sich stark darin unterscheiden, wie gut ein Sprachmodell sie übernimmt.
Was zuverlässig funktioniert
Diese Schritte laufen mit wenig Nacharbeit, weil du das Ergebnis sofort beurteilen kannst.
- Varianten für Einstieg, Sicherung und Hausaufgabe sammeln
- Einen vorhandenen Text sprachlich auf eine Klassenstufe herunterbrechen
- Aufgabenstellungen eindeutig formulieren und Operatoren korrekt setzen
- Ein Arbeitsblatt in eine leichtere und eine anspruchsvollere Fassung bringen
- Hilfekarten, Wortspeicher und Erwartungshorizonte entwerfen
- Elternbriefe, Klassenarbeitsansagen und Feedbackbausteine formulieren
- Eine Stoffverteilung grob auf Wochen verteilen
Was nur mit enger Führung funktioniert
Diese Schritte liefern brauchbare Rohfassungen, brauchen aber deine Korrektur.
- Verlaufspläne mit Zeitangaben, weil die Modelle die Phasen regelmäßig zu voll packen
- Fachliche Erklärtexte, weil sich hier Fehler und veraltete Angaben einschleichen
- Zuordnungen zum Lehrplan, weil das Modell Formulierungen erfindet, die plausibel klingen
- Alles mit Zahlen, Jahreszahlen, Quellenangaben oder Rechenwegen
Welche Schritte solltest du selbst behalten?
Ein paar Entscheidungen kann dir kein Modell abnehmen, weil ihm die Grundlage dafür fehlt.
- Die Lernstandsdiagnose. Nur du weißt, wer in der Klasse den Vortest verhauen hat und wer im dritten Anlauf immer noch Verdunstung und Kondensation verwechselt.
- Die Zielentscheidung. Was diese Stunde leisten soll und was bewusst wegfällt, ist eine didaktische Setzung.
- Die Auswahl des Materials. Ein Modell kennt deine Lerngruppe nicht, es kennt nur das, was du hineinschreibst.
- Die Bewertung. Leistungsbewertung ist eine Amtshandlung mit Rechtsfolgen, sie bleibt bei dir. Genau deshalb liegt dieser Wert im Schulbarometer bei 8 Prozent.
- Die Beziehungsarbeit. Gespräche mit Eltern und Lernenden kannst du vorbereiten lassen, führen musst du sie selbst.
Wie sieht der Ablauf an einer Doppelstunde zum Wasserkreislauf aus?
Das folgende Beispiel begleitet uns durch den Rest des Artikels. Ausgangslage ist eine Doppelstunde von 90 Minuten in Klasse 7, Fach Geographie, Thema Wasserkreislauf, 27 Lernende mit deutlichem Leistungsgefälle, ein Beamer, ein Klassensatz Tablets ist nicht verfügbar.
Schritt 1: Ziel und Rahmen festlegen
Bevor du das Chatfenster öffnest, schreibst du drei Zeilen auf. Das Lernziel lautet, dass die Lernenden die Stationen des Wasserkreislaufs benennen und die Übergänge zwischen ihnen mit den Begriffen Verdunstung, Kondensation, Niederschlag und Versickerung erklären können. Vorwissen ist aus Klasse 5 vorhanden, aber lückenhaft. Am Ende soll ein beschriftetes Schema im Heft stehen. Diese drei Zeilen sind die halbe Miete, weil jede spätere Anweisung darauf aufbaut.
Schritt 2: Kontext an das Modell übergeben
Im ersten Schritt bekommt das Modell den vollständigen Rahmen, ohne dass du schon nach einem Ergebnis fragst. Für die Grobplanung eignen sich Allrounder wie ChatGPT oder Claude, in Schulen mit Google-Umgebung auch Gemini. Der Rahmen umfasst Fach, Klassenstufe, Bundesland, Zeitfenster, Lernziel, Vorwissen, verfügbare Medien, Sozialformen, die du einsetzen willst, und die Besonderheiten der Gruppe in anonymisierter Form, also etwa „sechs Lernende mit geringen Lesekompetenzen“ statt Namen.
Schritt 3: Grobstruktur anfordern und auswählen
Jetzt lässt du dir drei Verlaufsvarianten geben, nicht eine. Variante A steigt mit einem Demonstrationsversuch ein (Wasserglas, Frischhaltefolie, Heizung), Variante B mit einer Wetterkarte der vergangenen Woche, Variante C mit einer Bildbetrachtung. Du entscheidest dich für den Versuch, weil er ohne Technik funktioniert. Diese Entscheidung teilst du dem Modell mit, damit alle weiteren Schritte darauf aufbauen.
Schritt 4: Verlaufsplan aufsetzen und kürzen
Der erste Verlaufsplan, den du bekommst, enthält sechs Phasen, zwei Gruppenarbeitsphasen, eine Präsentationsrunde und eine Reflexion. In 90 Minuten mit Klasse 7 ist das nicht zu schaffen. Du streichst auf vier Phasen zusammen, gibst dem Modell die Realwerte vor (Einstieg 10 Minuten, Erarbeitung 30, Sicherung 25, Übung 15, Puffer 10) und lässt den Plan neu schreiben. Wie du diese Kürzung systematisch angehst, steht weiter unten im Abschnitt zur Zeitplanung.
Schritt 5: Material erzeugen
Aus dem festgelegten Verlauf entsteht das Material in einzelnen Aufträgen. Erst das Basisarbeitsblatt mit Schemazeichnung zum Beschriften und vier Aufgaben, dann eine leichtere Fassung mit Wortspeicher, dann eine Zusatzaufgabe für die schnellen Lernenden zur Frage, warum Wasser über dem Meer verdunstet und über Land als Niederschlag fällt. Zum Schluss der Erwartungshorizont. Ein Auftrag pro Nachricht liefert bessere Ergebnisse als ein Sammelauftrag.
Schritt 6: Prüfen, drucken, ablegen
Vor dem Druck liest du das Material einmal fachlich gegen, prüfst die Aufgabenstellungen auf Eindeutigkeit und die Schemazeichnung auf Richtigkeit. Danach legst du die Anweisung, die funktioniert hat, in deiner Sammlung ab. Beim nächsten Thema tauschst du nur noch Inhalt und Lernziel aus.
Wie formulierst du eine Anweisung, die brauchbares Material liefert?
Die Qualität des Ergebnisses hängt fast vollständig davon ab, wie viel Kontext du mitlieferst. Der Unterschied lässt sich an unserem Beispiel zeigen.
Eine schwache Anweisung
„Erstelle ein Arbeitsblatt zum Wasserkreislauf für Klasse 7.“ Das Ergebnis ist ein generisches Blatt mit einem Lückentext, fünf Fragen und einem Merkkasten, das in jedem Bundesland und in jeder Schulform gleich aussehen könnte. Du kannst es benutzen, du wirst aber zwanzig Minuten mit Umbauen verbringen.
Eine belastbare Anweisung
Eine brauchbare Anweisung enthält sechs Bestandteile. „Du unterstützt mich bei der Vorbereitung einer Geographiestunde. Klasse 7, Realschule, Bayern, 27 Lernende, davon sechs mit geringen Lesekompetenzen. Lernziel: Die Lernenden benennen die Stationen des Wasserkreislaufs und erklären die Übergänge mit den Begriffen Verdunstung, Kondensation, Niederschlag, Versickerung. Erstelle ein einseitiges Arbeitsblatt mit vier Aufgaben, Aufgabe 1 reproduzierend, Aufgabe 2 und 3 anwendend, Aufgabe 4 mit Transfer auf den eigenen Wohnort. Sprache einfach, kurze Sätze, Fachbegriffe erklärt beim ersten Auftreten. Keine Grafik erzeugen, ich setze eine eigene ein. Gib mir am Ende einen Erwartungshorizont in Stichpunkten.“
Die sechs Bestandteile lauten Rolle, Rahmen, Lernziel, Format, Sprachniveau, Ausgabeform. Wenn eines davon fehlt, füllt das Modell die Lücke mit einer Annahme, und diese Annahme ist selten deine.
Wie du in Schritten nachfasst
Der zweite Durchgang bringt oft mehr als der erste Auftrag. Bewährte Nachfassformulierungen sind kurz und konkret.
- „Aufgabe 3 ist zu offen formuliert, gib mir drei präzisere Varianten.“
- „Kürze den Einleitungstext auf 60 Wörter, Satzlänge maximal 12 Wörter.“
- „Ersetze alle Fachbegriffe, die nicht im Lernziel stehen, durch Alltagssprache.“
- „Schreibe dieselbe Aufgabe für eine Gruppe, die den Kreislauf schon kennt.“
Wie planst du Verlaufspläne, die zeitlich wirklich aufgehen?
Sprachmodelle neigen dazu, Stunden zu überladen, weil sie aus Textquellen lernen, in denen ideale Abläufe beschrieben werden. Ein typischer Vorschlag für 45 Minuten enthält Einstieg, Erarbeitung, Partnerarbeit, Präsentation, Sicherung und Reflexion. In der Praxis bleiben davon drei Phasen übrig.
Gegen diese Schlagseite hilft eine feste Vorgabe. Nenne die Minuten für jede Phase selbst, statt sie dir vorschlagen zu lassen. Rechne 10 Prozent der Stundenzeit als Puffer ein und sage dem Modell ausdrücklich, dass es diesen Puffer nicht verplanen darf. Begrenze die Zahl der Phasen (drei bis vier bei 45 Minuten, vier bis fünf bei 90 Minuten). Lass dir zusätzlich eine Sollbruchstelle markieren, also die Phase, die du streichen kannst, wenn der Einstieg länger dauert.
In unserer Wasserkreislauf-Stunde sieht das so aus. Der Demonstrationsversuch braucht Aufbauzeit, die im ersten Entwurf fehlte. Nach der Korrektur stehen 10 Minuten Einstieg mit Versuch, 30 Minuten Erarbeitung am Arbeitsblatt, 25 Minuten Sicherung im Plenum mit Tafelschema, 15 Minuten Übung und 10 Minuten Puffer im Plan. Die Übungsphase ist die Sollbruchstelle.
Wie differenzierst du Material für mehrere Niveaustufen?
Differenzierung ist der Bereich, in dem der Zeitgewinn am größten ist, weil du sonst dasselbe Blatt dreimal schreibst.
Drei Fassungen aus einer Vorlage
Der praktikable Weg beginnt mit der mittleren Fassung. Du erstellst zuerst das Basisblatt für die Mehrheit der Klasse und lässt daraus zwei Ableitungen erzeugen. Für die leichtere Fassung gibst du an, was sich ändern soll (kürzere Sätze, Wortspeicher mit den vier Fachbegriffen, Schemazeichnung mit vorgegebenen Pfeilen, eine Aufgabe weniger). Für die anspruchsvollere Fassung verlangst du eine echte Steigerung des Anforderungsbereichs statt zusätzlicher Aufgaben desselben Typs, etwa die Erklärung, warum in einer versiegelten Stadt weniger Wasser versickert.
Sprachliche Vereinfachung ohne Inhaltsverlust
Wenn du bestehende Texte anpasst, etwa einen Schulbuchabschnitt oder einen Zeitungsartikel, leisten Umformulierungswerkzeuge wie QuillBot saubere Arbeit. Achte darauf, dass beim Vereinfachen keine Fachbegriffe verschwinden, die im Lernziel stehen. Ein häufiger Fehler ist der Austausch von „Kondensation“ gegen „Abkühlung“, damit ist der Text zwar leichter, das Lernziel aber verfehlt. Gib deshalb immer eine Liste der Begriffe mit, die erhalten bleiben müssen.
Wie kommst du an brauchbares Material für Vertretungsstunden?
Vertretungsstunden sind der Einsatzfall, bei dem KI den größten Unterschied macht, weil dir die Vorbereitungszeit fehlt und das Material fachfremd einsetzbar sein muss.
Sinnvoll ist eine Anweisung, die von vornherein auf Selbsterklärung ausgelegt ist. Verlange ein Blatt, das ohne Erklärung durch die vertretende Lehrkraft funktioniert, mit Arbeitsauftrag in der ersten Zeile, einer Lösung auf der Rückseite und einer Zusatzaufgabe für die schnellen Lernenden. Nenne die Klassenstufe und das Fach, ergänze den Hinweis, dass keine Medien zur Verfügung stehen. Für eine 45-Minuten-Vertretung reicht ein Blatt mit drei Aufgaben, ein längeres Material erzeugt nur Leerlauf und Zettelchaos.
Zwei Hinweise aus der Praxis. Bau dir für jede Klassenstufe, die du regelmäßig vertrittst, ein fertiges Blatt in der Schublade auf, das thematisch neutral funktioniert (Leseverstehen, Sachaufgaben, Rätselformate). Prüfe außerdem Lösungsblätter besonders gründlich, weil eine falsche Lösung in einer Vertretungsstunde niemand bemerkt und korrigiert.
Was musst du fachlich prüfen, bevor das Material in die Klasse geht?
Sprachmodelle erzeugen Text auf Basis von Wahrscheinlichkeiten, sie prüfen keine Fakten. Für dich heißt das, jede inhaltliche Aussage vor dem Druck einmal zu kontrollieren.
Die typischen Fehlerstellen
Diese Punkte fallen in der Praxis am häufigsten auf.
- Zahlen und Größenordnungen. Angaben zu Wassermengen, Jahreszahlen, Prozentwerten und Einwohnerzahlen sind besonders anfällig.
- Fachbegriffe im falschen Kontext. Im Wasserkreislauf tauchen gern Begriffe wie Evapotranspiration oder Sublimation auf, die in Klasse 7 nichts zu suchen haben.
- Erfundene Quellen. Verweise auf Studien, Autoren oder Schulbuchseiten sind ohne Prüfung wertlos.
- Falsche Operatoren. „Erkläre“, „beschreibe“ und „beurteile“ gehören zu unterschiedlichen Anforderungsbereichen, die Modelle vertauschen sie.
- Lösungen, die nicht zur Aufgabe passen. Bei mehrschrittigen Rechnungen und bei umgestellten Aufgaben stimmt der Erwartungshorizont oft nicht mehr.
Wie du das Risiko senkst
Am wirksamsten ist es, dem Modell die Fakten selbst zu geben. Werkzeuge, die ausschließlich mit deinen hochgeladenen Quellen arbeiten, sind dafür gemacht. Gemini Notebook (früher NotebookLM) beantwortet Fragen nur auf Basis der Dokumente, die du hineinlegst, und weist die Belegstelle aus. Für einzelne PDF-Dokumente wie Lehrplanauszüge oder Fachartikel eignet sich ChatPDF. Wenn dein Schulbuchkapitel als PDF vorliegt, arbeitest du damit deutlich sicherer als mit einem freien Chat.
Wie hältst du den Lehrplanbezug sauber?
Lehrpläne sind Ländersache, und genau daran scheitern allgemeine KI-Antworten. Ein Modell kennt möglicherweise das Thema Wasserkreislauf, es kennt aber nicht die Kompetenzformulierung, die im bayerischen LehrplanPLUS, im baden-württembergischen Bildungsplan oder im nordrhein-westfälischen Kernlehrplan für deine Schulform steht.
Der verlässliche Weg führt über deine eigene Vorlage. Die Bildungspläne aller Länder stehen online, meist als PDF oder als durchsuchbare Datenbank. Du kopierst die betreffende Kompetenzerwartung in die Anweisung oder lädst den Auszug hoch und verlangst, dass sich das Material ausschließlich darauf bezieht. Lass dir zusätzlich zu jeder Aufgabe angeben, auf welchen Teil der Kompetenzerwartung sie zielt. Das dauert zwei Minuten und erspart dir die Diskussion in der Fachkonferenz.
Ohne diese Vorlage erfindet das Modell Formulierungen, die nach Lehrplan klingen. Sie sind für eine Unterrichtsplanung, die du vorlegen musst, nicht verwendbar.
Was gilt beim Datenschutz an Schulen?
Der Datenschutz ist der Punkt, an dem sich der deutsche Schulalltag am deutlichsten von allgemeinen KI-Ratgebern unterscheidet. Zuständig sind die Länder, verantwortlich im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung ist in der Regel die Schulleitung.
Welche Daten nie ins Chatfenster gehören
Die Linie der Landesdatenschutzbeauftragten ist einheitlich, personenbezogene Daten von Schülerinnen und Schülern haben in kommerziellen KI-Diensten nichts verloren. Dazu gehören Namen, Klassenlisten, Noten, Gutachten, Förderpläne, Elterngesprächsprotokolle und Krankheitsangaben. Die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen hat sich im Juni 2026 ausführlich mit dem Thema befasst und darauf hingewiesen, dass schon aus Eingaben Rückschlüsse auf Personen, Gesundheitszustand oder familiäre Verhältnisse möglich sind. Empfohlen werden die Auswahl zuverlässiger Anbieter, die Minimierung personenbezogener Daten und der Ausschluss einer Verarbeitung zu Zwecken des Anbieters.
Wie du trotzdem individuell arbeitest
Anonymisieren funktioniert gut, wenn du es konsequent machst. Statt „Lukas aus der 7b, LRS, kommt beim Lesen nicht mit“ schreibst du „ein Lernender mit Leseschwäche in Klasse 7“. Für Feedback zu Schülertexten gilt dasselbe, entferne Namen und alle Angaben, über die sich eine Person identifizieren lässt, bevor du einen Text einfügst. Sobald es um echte Leistungsbewertung geht, bleibt die Arbeit auf deinem Schreibtisch. Weitere Details zu Rechtsgrundlagen und Prüfschritten haben wir in unserer Übersicht zu KI und Datenschutz an Schulen zusammengestellt.
Wer trägt die Verantwortung?
Die Schulleitung entscheidet über den dienstlichen Einsatz und muss bei Systemen mit hohem Risiko eine Datenschutz-Folgenabschätzung nach Artikel 35 DSGVO durchführen. Für dich als Lehrkraft heißt das zweierlei. Kläre vor dem produktiven Einsatz, welche Werkzeuge an deiner Schule freigegeben sind, und ordne Lernenden keine Nutzung privater Accounts an. Wenn Schülerinnen und Schüler mit KI arbeiten sollen, führt der Weg über die schulisch bereitgestellten Zugänge.
Welche Landeslösungen stehen dir zur Verfügung?
Viele Lehrkräfte zahlen für Abos, obwohl ihr Bundesland längst einen geprüften Zugang bereitstellt. Ein Blick ins Landesportal lohnt sich deshalb vor jedem Kauf.
AIS.chat, der ländergemeinsame Chatbot
AIS.chat ist der im Auftrag der Länder entwickelte KI-Chatbot für Schulen, bis Mai 2026 hieß er telli, die Umbenennung erfolgte aus markenrechtlichen Gründen. Die Umsetzung verantwortet das FWU als Generalunternehmer. Der Dienst läuft auf Servern in der EU, die Anmeldung erfolgt pseudonymisiert über VIDIS, und die eingegebenen Inhalte werden nicht für das Training der angebundenen Sprachmodelle verwendet. Seit Februar 2026 lassen sich damit auch Bilder erzeugen. Der Zugang läuft über die Landesportale, etwa Lernen-Digital NRW, SCHULE@BW, moin.schule oder die BayernCloud Schule. In Niedersachsen steht der Dienst seit Februar 2026 allen Schulen offen, in Berlin seit Mai 2026.
fobizz und weitere Plattformen
Mehrere Länder setzen auf fobizz, darunter Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, in Hamburg an beruflichen Schulen. Rheinland-Pfalz hat die Landeslizenz für das Schuljahr 2026/2027 verlängert, für Lehrkräfte und Lernende ist die Nutzung während der Laufzeit kostenfrei. Daneben existieren Landesangebote wie F13 in Baden-Württemberg, ByCS-KI in Bayern, der Assistent KAI über Schullogin in Sachsen und emuKI in Sachsen-Anhalt. Verbreitet sind außerdem schulKI und das Feedbackwerkzeug FelloFish.
Wo die Landeslösungen an Grenzen stoßen
Die Schulplattformen sind datenschutzrechtlich der sichere Weg, sie hinken bei den Modellversionen aber häufig hinterher, und die Bedienoberflächen sind schlanker als bei den kommerziellen Anbietern. Für Arbeitsblätter, Aufgabenvarianten und Verlaufspläne reicht das in aller Regel aus. Wenn du längere Dokumente verarbeiten oder mit eigenen Quellensammlungen arbeiten willst, stößt du eher an Grenzen. Eine Gegenüberstellung der gängigen Werkzeuge findest du in unserer Übersicht zu KI-Tools für Lehrkräfte.
Welche Regeln gelten in deinem Bundesland?
Alle 16 Länder haben inzwischen Vorgaben veröffentlicht, sie unterscheiden sich aber in Verbindlichkeit und Detailtiefe.
Handreichungen und Leitfäden
Nordrhein-Westfalen legte im Februar 2023 als erstes Land einen Handlungsleitfaden zum Umgang mit textgenerierenden KI-Systemen vor. Bayern hat einen Handlungsleitfaden „Künstliche Intelligenz in der pädagogischen Praxis“ herausgegeben, der zuletzt im Mai 2026 aktualisiert wurde. Hessen führt eine Handreichung „Künstliche Intelligenz (KI) in Schule und Unterricht“, Hamburg Leitlinien für den Einsatz von KI-Systemen. In Hessen, im Saarland und in Sachsen-Anhalt ist der Zugang zu den Landeswerkzeugen an eine Fortbildung oder einen Kompetenznachweis gekoppelt. Die Kultusministerkonferenz hat 2024 eine Handlungsempfehlung veröffentlicht, die auf einen konstruktiv-kritischen Umgang setzt statt auf Verbote.
Was der EU AI Act für Schulen bedeutet
Seit dem 2. Februar 2025 verpflichtet Artikel 4 der KI-Verordnung Betreiber von KI-Systemen dazu, für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen. Schulen fallen als Betreiber darunter. Eine feste Schulungsvorgabe gibt es nicht, die Länder erfüllen die Pflicht über Fortbildungen, Zertifikatskurse und Handreichungen. Die EU-Kommission hat Ende 2025 vorgeschlagen, diesen Artikel abzuschwächen, das Verfahren war zum Stand August 2026 noch nicht abgeschlossen. Praktisch heißt das für dich, dass Fortbildungsangebote deines Landes derzeit der einfachste Weg sind, die Anforderung zu erfüllen.
Welche Werkzeuge passen zu welchem Schritt?
Ein einzelnes Werkzeug deckt selten die ganze Kette ab, die Aufteilung nach Arbeitsschritt hat sich bewährt.
- Planung und Verlaufsplan: Allrounder mit langem Gedächtnis für den Gesprächsverlauf, damit du in Schritten nachbessern kannst.
- Arbeitsblätter und Aufgaben: Werkzeuge, die längere strukturierte Texte sauber ausgeben und Formatvorgaben einhalten.
- Arbeit mit eigenen Quellen: Werkzeuge, die ausschließlich hochgeladene Dokumente auswerten, für Lehrplanauszüge und Fachtexte.
- Präsentationen: Gamma erzeugt aus einer Gliederung eine vollständige Foliensammlung, MagicSlides baut Folien direkt aus einem vorhandenen Text und arbeitet in Google Slides und PowerPoint.
- Sprachliche Anpassung: spezialisierte Umformulierungswerkzeuge für Vereinfachung, Kürzung und Umstellung.
Für den Anfang reicht ein Allrounder plus ein quellenbasiertes Werkzeug. Wer mehr Programme parallel betreibt, verliert die Zeit wieder, die er beim Schreiben gespart hat.
Was kostet der Einsatz und wer zahlt?
Die Kostenfrage klärt sich meist schon durch den Blick ins Landesportal, weil die dort bereitgestellten Zugänge für dich kostenfrei sind.
Wenn du privat ein Abo abschließt, liegt ChatGPT Plus in Deutschland bei 23 Euro brutto im Monat, Claude Pro bei 20 US-Dollar im Monat (beides Stand August 2026, die Anbieter passen Preise und Tarifstufen regelmäßig an). Eine fobizz-Einzellizenz als Kombi-Flatrate wird mit 239 Euro pro Jahr ausgewiesen. Die aktuellen Tarifstufen und die Unterschiede zwischen den Paketen haben wir in den Übersichten zu ChatGPT Kosten und Claude Kosten aufgeschlüsselt. Kläre vor dem Abschluss, ob deine Schule Lizenzen bereitstellt und ob eine private Anschaffung steuerlich als Arbeitsmittel absetzbar ist.
Wie baust du dir eine Sammlung bewährter Anweisungen auf?
Der eigentliche Zeitgewinn entsteht ab dem zehnten Einsatz, wenn du nicht mehr jedes Mal von vorn formulierst.
Leg dir eine einfache Datei an, ein Textdokument reicht. Jede Anweisung, die ein brauchbares Ergebnis geliefert hat, wandert dorthin, zusammen mit drei Angaben: wofür sie gedacht ist, in welchem Werkzeug sie funktioniert hat und was du beim letzten Mal nachbessern musstest. Ersetze alle themenspezifischen Angaben durch Platzhalter in eckigen Klammern, damit du sie beim nächsten Thema nur austauschen musst.
Fünf Vorlagen decken den Großteil des Alltags ab.
- Verlaufsplan für 45 und für 90 Minuten mit fester Phasenvorgabe
- Arbeitsblatt in drei Niveaustufen mit Erwartungshorizont
- Vertretungsstunde ohne Medien, selbsterklärend
- Textvereinfachung mit Liste der zu erhaltenden Fachbegriffe
- Aufgabenset für eine Leistungskontrolle mit Zuordnung der Anforderungsbereiche
Wenn in deinem Kollegium mehrere Personen mitziehen, lohnt sich eine gemeinsame Ablage im Schulnetz. Fachschaften, die ihre Anweisungen teilen, sparen den doppelten Aufwand und vereinheitlichen nebenbei die Aufgabenkultur.
Wo liegen die Grenzen der Unterrichtsvorbereitung mit KI?
Die Begrenzungen sind real und sie verschwinden nicht dadurch, dass die Modelle besser werden.
- Fachliche Verlässlichkeit. Jede inhaltliche Aussage bleibt prüfpflichtig, die Verantwortung für das Material liegt bei dir.
- Kein Blick auf die Lerngruppe. Das Modell sieht keine Gesichter, es kennt weder die Dynamik der Klasse noch den Grund, warum eine Erklärung letzte Woche nicht angekommen ist.
- Uniformität. Wer immer mit denselben Anweisungen arbeitet, bekommt Material, das sich ähnelt. Variiere Aufgabenformate bewusst.
- Rechtliche Schranken. Personenbezogene Daten, Leistungsbewertung und der verpflichtende Einsatz durch Lernende sind an Vorgaben gebunden.
- Urheberrecht. Für Bilder, Karten und Schemazeichnungen brauchst du Material mit klarer Lizenz, KI-Bilder sind für Fachgrafiken oft schlicht falsch.
- Die Skepsis im Kollegium ist begründet. Im Schulbarometer 2026 erwarten 67 Prozent der Lehrkräfte negative Auswirkungen auf das kritische Denken der Lernenden, 57 Prozent auf die Sprach- und Schreibkompetenzen. Für den eigenen Einsatz in der Vorbereitung fällt die Bewertung positiver aus als für den Einsatz durch Schülerinnen und Schüler.
Wie fängst du in der kommenden Woche an?
Der Einstieg gelingt am besten mit einem eng begrenzten Anwendungsfall statt mit einem kompletten Umbau der Vorbereitung.
- Prüfe im Landesportal, welcher Zugang für dich freigeschaltet ist.
- Wähle eine Stunde aus, die du ohnehin planen musst, und arbeite die sechs Schritte aus dem Wasserkreislauf-Beispiel ab.
- Nimm dir für die erste Anweisung fünf Minuten Zeit und schreibe alle sechs Bestandteile auf.
- Prüfe das Ergebnis fachlich, bevor du es druckst.
- Leg die Anweisung in deiner Sammlung ab und wiederhole den Ablauf in der Folgewoche mit einem zweiten Thema.
Nach drei bis vier Durchgängen hast du ein realistisches Bild davon, welche Schritte dir Zeit sparen und welche du schneller selbst erledigst. Genau dieses Bild ist wertvoller als jede allgemeine Empfehlung, weil es deine Fächer, deine Klassen und deine Arbeitsweise abbildet.